Buchempfehlungen


Die hier vorgestellten Bücher sind unsere ganz subjektive Auswahl. Unter Umständen haben sie nie auf einer Bestsellerliste gestanden, oft zeitlos aber brisant, manchmal entstaubt, doch immer mit Begeisterung gelesen:


Primo Levi: Die Atempause / La tregua

Am 27. Januar 1945, dem Tag der Befreiung, beginnt die Heimreise Primo Levis von Auschwitz nach Turin. In seinem Roman Die Atempause, beschreibt er den Weg durch Polen, die Sowjetunion, Rumänien, Ungarn, Österreich und Süddeutschland bis Italien. Neun Monate brauchen er und andere, um in ihre Heimat zu gelangen.

Der Roman gibt Antwort auf die Frage, was nach der Befreiung geschah. Die Tage dazwischen bis zur Heimkehr - die Atempause - beschreiben eine ungeordnete Rückkehr ins Leben; Hunger, Kälte, Krankheit und körperliche Anstrengung sind nicht mit dem 27.Januar schlagartig beendet. Durch das Lager gezeichnet, gilt es, die Kraft zum Weiterleben zu finden. In den neuen Lagern, den Sammellagern, gibt es auch glückhafte Momente, die eine Brücke zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem schlagen. Durch eine beklemmende Theaterinszenierung, in der ein Lied - "Mein Hut, der hat drei Ecken" - im Mittelpunkt steht, werden noch einmal das Grauen und die Ohnmacht geisterhaft und grotesk sichtbar. Die beklemmende Atmosphäre wird wieder und wieder allabendlich auf der Bühne hervorgebracht. Im September 1945 beginnt in klapprigen Güterwagen der Aufbruch Richtung rumänische Grenze.

Sprachlich klar strukturiert und aus der Sicht eines Beobachters, dem Geschehen distanziert und nah zugleich gegenüberstehend, macht Primo Levi Schritt für Schritt den Aufbruch aus dem Grauen sichtbar.

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